Veränderung – Ohne den Faktor Mensch geht nichts

Dr. Roland Käfer kommt aus dem Werkzeugbau und kommuniziert als Interim-Change-Manager mittlerweile auf Vorstandsebene. Im Gespräch verrät er, woran die meisten Change-Prozesse scheitern, wie erfolgreiche Transformation gelingt und  welche Führungspersönlichkeiten es dafür braucht.

 Ist Change Management überhaupt noch zeitgemäß, Roland?

Meine Antwort ist ein klares Ja. Wir haben eine schwächelnde Weltkonjunktur, der Druck zur strategischen Transformation ist angesichts von Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit so hoch wie nie.

Woran scheitern Change-Prozesse üblicherweise?

Eine aktuelle Studie zeigt, dass rund 80 Prozent der Transformationen ihr Ziel verfehlen. Dahinter steckt oft eine absolute Überschätzung der Unternehmensspitze – in Bezug auf Kompetenz und Führung, aber auch hinsichtlich der Kommunikation mit dem mittleren Management. Das Ganze wird viel zu sehr auf die leichte Schulter genommen.

Was fehlt im Top-Management an Verhalten und Einstellung?

Es braucht ein einheitliches Zielbild: Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Im Grunde muss ein Change-Prozess angegangen werden wie ein Projekt. Viele haben Angst vor Entlassungen oder fürchten, Fehler zu machen. Andere sind nur auf ihre persönliche Karriere fixiert – die denken nur in ihrer Vertragslaufzeit, wollen keinen Stress haben und gehen keine Risiken ein. Meist scheitert es am Mut – kaum ein Top-Manager haftet mit seinem Eigenkapital. Aber Change funktioniert nur, wenn ich auch Fehler zulasse und dann nachschärfe.

Ist also die Tatsache, dass Top-Manager meist Angestellte statt Unternehmer sind, ein wichtiger Faktor für das Misslingen eines Change-Prozesses?

Letztlich geht es darum, wie authentisch eine Führungspersönlichkeit mit ihrem Job umgeht und wie sie das Umfeld einbindet. Ein gestandener Unternehmer kann hier genauso ins Straucheln kommen wie ein gestandener Top-Manager. Letzterer hat im Zweifelsfall viel mehr gesehen als ein Unternehmer, der in seiner Garage angefangen hat und jetzt 2.000 Mitarbeiter hat. Und wie schnell erkennt ein solcher Selfmade-Man, dass er alleine nicht mehr weiterkommt, und ist bereit, Verantwortung abzugeben? Da tut sich ein gestandener Mittelständler vielleicht schwerer als ein erfahrener Manager. Als Interim-Manager hat man da schnell mit Widerständen zu tun, weil die Unfähigkeit der Beteiligten vertuscht werden soll – das gilt allerdings auch für das mittlere Management bei Großkonzernen.

Du hast den erfolgreichen Change-Prozess von Porsche begleitet – was genau ist da passiert?

Porsche hat bis zum Eintritt von Wendelin Wiedeking vorwiegend Juristen in der Führungsspitze gehabt. Der promovierte Maschinenbauer hatte den Mut, mit eigenem Kapital in die Haftung zu gehen und den fremden Mobilbauer Toyota als Berater reinzuholen – das war Anfang der 90er schon sehr außergewöhnlich. Hier sieht man sehr gut, was einen Change-Prozess ausmacht: Nach dem Einstieg von Wiedeking gingen die Zahlen drei Jahre lang nur nach unten – da musst du einen sehr stabilen und vertrauensvollen Aufsichtsrat haben; so einen langen Atem gibt es heutzutage gar nicht mehr. Im Fall von Porsche hat der sich aber gelohnt: Heute hat Porsche eine hohe zweistellige Umsatzrendite.

Ich rate dringend davon ab, in einem Change-Prozess permanent das Top-Management auszuwechseln. Es braucht einen langen Atem, eine absolut starke Führungspersönlichkeit mit starker Kommunikation, Mut zum Risiko und der Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen. Ein echter Change-Manager taucht wirklich in das Unternehmen ein – auch gerne mal morgen um sechs oder mitten in der Nacht beim Schichtwechsel.

Was möchtest du uns abschließend noch mitgeben?

Stell’ dir als Unternehmen die Why-Frage: Warum willst du einen Veränderungsprozess? Stell’ eine klare Kommunikation und Disziplin her. Und ganz wichtig: Binde alle Beteiligten ein – und vergiss’ den Betriebsrat dabei nicht. Steck’ dir und deiner Mannschaft greifbare Ziele. Und behalte bei all dem einen kühlen Kopf.

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(Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Podcast „punktgenau“ vom 8. März 2021, den Sie hier in voller Länge hören können. Der Podcast ist auch auf itunes und spotify verfügbar)